Solarpark und Windenergieanlagen in einer ländlichen Landschaft.

Inhaltlich aktualisiert: 06.10.2026

Ökostromzertifikate helfen dabei, Angaben eines Stromtarifs einzuordnen. Doch nicht jeder Nachweis prüft dasselbe: Ein Herkunftsnachweis dokumentiert die erneuerbare Herkunft einer Strommenge, während ein Ökostrom-Gütesiegel zusätzliche Anforderungen an das Produkt stellen kann. Hier erfahren Sie, worauf es beim Vergleich ankommt – ohne sich allein auf Werbeaussagen oder ein Logo zu verlassen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Herkunftsnachweise und Ökostrom-Gütesiegel erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
  • Ein Herkunftsnachweis allein garantiert keinen zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Anlagen.
  • Prüfen Sie immer den konkreten Tarif, den Geltungsbereich und die Gültigkeit des Zertifikats.
  • ok-power heißt seit Ende September 2026 EnergieVision – Das Ökostromsiegel.
  • Auch beim zertifizierten Tarif zählen Jahreskosten, Laufzeit und Preisgarantie.

Ökostromtarif und Konditionen gemeinsam prüfen

Starten Sie den Stromtarifvergleich mit Ihrem Jahresverbrauch. Wählen Sie einen Ökostromtarif aus, prüfen Sie dessen Nachweise und vergleichen Sie anschließend die Vertragsbedingungen. Bei Fragen zu Ihrem aktuellen Tarif oder einem passenden Ökostromangebot nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Herkunftsnachweis oder Gütesiegel: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden im Alltag oft vermischt. Für einen nachvollziehbaren Tarifcheck lohnt es sich, drei Ebenen zu trennen: die Herkunft einer Strommenge, die Kennzeichnung des Stromprodukts und zusätzliche Qualitätsanforderungen.

NachweisWas er erklärtWas Sie zusätzlich prüfen
Herkunftsnachweis (HKN)Erneuerbare Herkunft einer erzeugten StrommengeBeitrag zum Ausbau neuer Anlagen
StromkennzeichnungAusgewiesener Strommix und UmweltinformationenZuordnung zum konkreten Produkt und Berichtsjahr
Ökostrom-GütesiegelEinhaltung eines definierten KriterienkatalogsStandard, Prüfstelle, Gültigkeit und zertifizierter Tarif

Ein Label ist damit keine allgemeine Aussage, dass jeder Tarif eines Anbieters dieselbe Qualität hat. Ebenso ist eine Unternehmenszertifizierung nicht automatisch ein Ökostromzertifikat für Ihr Stromprodukt.

Drei verschiedene Nachweise: Herkunftsnachweis belegt erneuerbare Stromherkunft, Stromkennzeichnung zeigt den Mix, Gütesiegel prüft definierte Kriterien.
Herkunftsnachweis, Stromkennzeichnung und Gütesiegel beantworten unterschiedliche Fragen. Entscheidend sind der konkrete Tarif, die Kriterien und die Gültigkeit.

Was sagt ein Herkunftsnachweis für Ökostrom aus?

Ein Herkunftsnachweis steht für eine Megawattstunde erneuerbar erzeugten Strom, also 1.000 kWh. Er enthält Angaben unter anderem zu Erzeugungsart, Anlage und Erzeugungszeitraum. Für die Vermarktung als Ökostrom werden die entsprechenden Nachweise im Herkunftsnachweisregister entwertet. So soll dieselbe erneuerbare Eigenschaft nicht mehrfach verkauft werden. UBA: Fragen zu Herkunftsnachweisen

Herkunftsnachweise können unabhängig vom physisch gelieferten Strom gehandelt werden. Ein Nachweis aus einem europäischen Wasserkraftwerk ist daher nicht allein wegen seiner Herkunft ungültig oder irreführend. Er sagt jedoch noch nicht, ob durch den Tarif zusätzliche Anlagen gebaut oder andere Energiewende-Projekte finanziert werden.

Die Grundlagen erläutert das Umweltbundesamt zu Ökostrom und Stromkennzeichnung. Für die Auswahl eines Tarifs ist die nächste Frage deshalb: Welcher zusätzliche Nutzen ist konkret nachgewiesen?

Kommt bei einem Ökostromtarif anderer Strom aus der Steckdose?

Im öffentlichen Netz lässt sich die physische Versorgung Ihres Haushalts nicht einem einzelnen gebuchten Kraftwerk zuordnen. Ein Ökostromtarif verändert die vertraglich zugeordnete Herkunft und gegebenenfalls die Förderung zusätzlicher Projekte – nicht die Elektronen an Ihrer Steckdose.

Das bedeutet weder, dass jeder Ökostromtarif wirkungslos ist, noch dass jede grüne Werbeaussage einen zusätzlichen Beitrag belegt. Entscheidend sind die Beschaffung, die Nachweise und die konkreten Kriterien des angebotenen Produkts.

Welche Ökostrom-Gütesiegel und Standards gibt es?

Die folgenden Beispiele sind keine Rangliste und keine Aussage, dass eSave oder ein bestimmter hier angebotener Tarif eines dieser Label trägt. Sie helfen, unterschiedliche Prüfziele zu verstehen. Maßgeblich ist immer das aktuelle Zertifikat des ausgewählten Produkts.

Grüner Strom-Label

Das Label wird von Grüner Strom Label e.V. vergeben und bezieht sich auf einen Ökostromtarif. Neben erneuerbarer Herkunft verlangt es Investitionen in Energiewende-Projekte: Für Privatkundentarife nennt der Labelgeber mindestens 0,5 Cent je verbrauchter kWh. Hinzu kommen Anforderungen an den Anbieter. Den genauen Förderbeitrag und die geltenden Kriterien prüfen Sie beim konkreten Tarif und im Kriterienangebot des Grüner Strom-Labels.

EnergieVision – Das Ökostromsiegel, früher ok-power

Das frühere ok-power-Siegel trägt seit Ende September 2026 den Namen EnergieVision – Das Ökostromsiegel. Die Zertifizierung umfasst Pflichtkriterien und Wahlpflichtkriterien für einen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende. Auch Anbieterstruktur und verbraucherfreundliche Vertragsbedingungen spielen eine Rolle. Welche Variante für ein Produkt gilt, zeigt der Labelgeber in seinen aktuellen Kriterien und Zertifizierungsinformationen. Ältere Zertifikate und Unterlagen können noch die Bezeichnung ok-power enthalten.

TÜV NORD: Geprüfter Ökostrom

Bei „TÜV-geprüft“ sollten Sie genauer hinsehen: Entscheidend ist, was geprüft wurde und nach welchem Standard. Der TÜV-NORD-Standard A75-S026-1 „Geprüfter Ökostrom“ verlangt nach seinem Kriterienkatalog erneuerbare Herkunft und einen zusätzlichen Förderbeitrag, beispielsweise über Neuanlagenbezug oder Investitionen. Ein allgemeines TÜV-Logo ohne Zertifikatsnummer und Prüfgegenstand ist für einen Tarifcheck nicht ausreichend. Die Anforderungen stehen im TÜV-NORD-Kriterienkatalog.

RenewablePLUS

RenewablePLUS ist ein Produktlabel von Bischoff & Ditze Energy mit Prüfung durch TÜV Rheinland. Der aktuelle Kriterienkatalog 1.2 verbindet Herkunftsnachweise mit Investitionen in erneuerbare Energien und weiteren Anforderungen zur Systemintegration. Der Labelgeber nennt mindestens 0,2 Cent je verkaufter kWh als Investitionsbeitrag. Welche Optionen beim konkreten Produkt umgesetzt werden, muss sich aus dessen Nachweisen ergeben. Details erläutert die Produktinformation zu RenewablePLUS.

Checkliste: So prüfen Sie ein Ökostromzertifikat

  1. Tarifname abgleichen: Stimmt der zertifizierte Produktname genau mit dem angebotenen Tarif überein?
  2. Gültigkeit prüfen: Welche Lieferperiode und welches Prüfjahr umfasst das Zertifikat? Ist der Nachweis aktuell?
  3. Prüfgegenstand lesen: Geht es um Stromherkunft, das gesamte Produkt, einen zusätzlichen Förderbeitrag oder lediglich einen Unternehmensprozess?
  4. Kriterien einsehen: Welche Anforderungen gehen über Herkunftsnachweise hinaus? Wie wird deren Erfüllung kontrolliert?
  5. Beim Labelgeber gegenprüfen: Ist der Tarif in der Anbieter- oder Produktübersicht auffindbar? Gibt es eine nachvollziehbare Zertifikatsnummer?
  6. Unklare Aussagen nachfragen: Begriffe wie „grün“, „regional“ oder „klimaneutral“ sind kein Ersatz für einen konkreten Nachweis.

Wenn Unterlagen fehlen, lassen Sie sich den aktuellen Produktnachweis zusenden. Eine Zertifizierung eines anderen Tarifs oder eine allgemeine Nachhaltigkeitsbroschüre beantwortet die Frage nach Ihrem ausgewählten Angebot nicht.

Ökostrom vergleichen: Qualität und Preis zusammen betrachten

Ein Zertifikat sagt nicht, dass der Tarif für Ihren Haushalt der günstigste ist. Berechnen Sie deshalb auch bei Ökostrom die Jahreskosten aus Arbeitspreis und Grundpreis. Prüfen Sie Preisgarantie, Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und Bonusbedingungen. Ein günstiger Einstiegspreis allein ist ebenso wenig ausreichend wie ein bekanntes Label allein.

Wie Sie Preise fair einordnen, zeigt der Ratgeber Strompreisentwicklung und Tarifvergleich. Den passenden Termin finden Sie unter Wann Strom und Gas wechseln?. Für den praktischen Ablauf hilft Stromanbieter wechseln.

Vermeiden Sie pauschale Annahmen wie „Ökostrom ist immer teurer“ oder „jedes Siegel ist gleich gut“. Vergleichen Sie verfügbare Angebote und entscheiden Sie anhand der belegten Kriterien, welche Anforderungen Ihnen wichtig sind.

Passende eSave-Ratgeber

Häufige Fragen zu Ökostromzertifikaten

Ist ein Herkunftsnachweis dasselbe wie ein Ökostromsiegel?

Nein. Ein Herkunftsnachweis dokumentiert eine erneuerbar erzeugte Strommenge. Ein Ökostromsiegel prüft die Einhaltung eines eigenen Kriterienkatalogs für ein Produkt. Zusätzliche Anforderungen können beispielsweise Investitionen in neue Anlagen oder Vorgaben zur Anbieterstruktur sein.

Sind Herkunftsnachweise aus dem Ausland problematisch?

Nicht allein aufgrund des Herkunftslandes. Herkunftsnachweise werden grenzüberschreitend gehandelt und können eine gültige erneuerbare Herkunft belegen. Für die Frage nach zusätzlichem Ausbau müssen Sie darüber hinaus die Produktkriterien und Investitionsanforderungen prüfen.

Bedeutet ein Label, dass alle Tarife des Anbieters zertifiziert sind?

Das dürfen Sie nicht automatisch annehmen. Prüfen Sie den Produktnamen und den Geltungsbereich des Zertifikats. Ein Anbieter kann unterschiedliche Stromprodukte führen; die Zertifizierung eines bestimmten Tarifs ist nicht beliebig auf andere Angebote übertragbar.

Was ist aus dem ok-power-Siegel geworden?

Seit Ende September 2026 heißt es EnergieVision – Das Ökostromsiegel. In älteren Dokumenten kann noch ok-power stehen. Prüfen Sie neben dem Namen immer die aktuelle Gültigkeit, die Kriterienversion und die Zuordnung zum konkreten Tarif.

Ist TÜV-geprüfter Strom automatisch besonders guter Ökostrom?

Die bloße Angabe „TÜV-geprüft“ ist zu ungenau. Lesen Sie Prüfgegenstand, Standard und Zertifikatsnummer. Eine Herkunftsprüfung, eine Produktzertifizierung und die Prüfung eines Unternehmensprozesses sind unterschiedliche Leistungen.

Kann ein Tarif ohne Gütesiegel trotzdem Ökostrom sein?

Ja. Die zusätzliche Zertifizierung mit einem freiwilligen Gütesiegel ist nicht Voraussetzung für jede Ökostromvermarktung. Ohne ein solches Label sollten Sie die Herkunftsangaben und den behaupteten zusätzlichen Nutzen besonders sorgfältig anhand konkreter Unterlagen prüfen.

Kann ich Ökostromqualität verbessern und zugleich Stromkosten sparen?

Das kann bei einem geeigneten Angebot möglich sein, ist aber nicht garantiert. Vergleichen Sie die Jahreskosten und Vertragsbedingungen Ihres bisherigen Tarifs mit dem gewünschten Ökostromprodukt. Prüfen Sie dessen Zertifikat separat, statt aus dem Preis auf die Umweltqualität zu schließen.

Ökostromtarif und Konditionen gemeinsam prüfen

Starten Sie den Stromtarifvergleich mit Ihrem Jahresverbrauch. Wählen Sie einen Ökostromtarif aus, prüfen Sie dessen Nachweise und vergleichen Sie anschließend die Vertragsbedingungen. Bei Fragen zu Ihrem aktuellen Tarif oder einem passenden Ökostromangebot nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Quellen und Stand

Redaktionell geprüft am 06.10.2026. Preiswerte und Zertifizierungskriterien können sich ändern. Maßgeblich sind die aktuellen Tarifunterlagen und Produktnachweise.

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